1. So begann ich mit dem Twittern von der Tagung "Studieren ohne Abitur". Je nachdem welcher Fachdisziplin eine wissenschaftliche Konferenz oder Tagung zugerechnet wird, finden sich auf Twitter teils sehr viele Tweets. In diesem Fall war ich aber, soweit ich das überblicken kann, der einzige "Reporter" von dieser Veranstaltung.
  2. Eindrücke von den Eröffnungskeynotes:
  3. Die Einteilung nicht-traditioneller Studierender in diese Typen ist nicht gerade Konsens. Ein durchgehender und in verschiedenen Präsentationen eröffneter Diskussionspunkt, war die Definition nicht-traditioneller Studierender, sowie die Definition Studierender ohne Hochschulzugangsberechtigung. Grund dafür scheint einerseits die Verwirrung von Betroffenen zu sein, deren Selbstbild dazu führt, dass sie in quantitativen Untersuchungen falsche, oder widersprüchliche Angaben machen. Studierende mit einer Fachhochschulreife etwa neigen anscheinend dazu, das Fachabitur vom "Abitur" zu unterscheiden.
  4. Trotz eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz von 2009, mit dem wohl eine Öffnung der Hochschulen für nicht-traditionelle Studierende einherging, sind die Quoten auf den Bund gerechnet extrem niedrig. Insbesondere, wenn Sonderfälle, wie Fernuniversitäten weggerechnet würden.
  5. Eine Frage, die insbesondere im politischen Diskurs für die Öffnung der Hochschulen ins Feld geführt wird. Bei den derzeitigen, extrem geringen Fallzahlen, lässt sie sich bislang wohl eher verneinend beantworten.
  6. In dieser Keynote von Dr. Freitag wurde die Rolle der Universitäten bezüglich der Öffnung der Hochschulen diskutiert, die trotz gesetzlicher Rahmenbedingungen über viele Möglichkeiten verfügen, Studierenden den Weg an die Universität, oder das Einleben in die Universität, zu erschweren:
  7. Wenn Studienplätze als knappe Ressource angesehen werden, stellt sich natürlich die Frage, wie und an wen diese Ressource verteilt werden sollte. Nicht-traditionelle Studierende scheinen hier nicht unbedingt zur Wunschzielgruppe öffentlicher Bildungseinrichtungen zu gehören, im Gegensatz etwa zu privatwirtschaftlichen Universitäten, die finanziell von zusätzlichen Studierenden profitieren.
  8. Hier muss ich ehrlicherweise gestehen: Auch wenn ich mich schon etwas mit Foucault und auch mit dem Dispositivbegriff auseinandergesetzt habe: Ich möchte mich durch eine Interpretation nicht aus dem Fenster lehnen, dafür fühle ich mich viel zu unsicher. Der Begriff des Dispositiv hier scheint jedenfalls nicht deckungsgleich zu sein, mit dem Begriff, wie er in einem Büchlein über Diskursforschung verwendet und definiert wird, das ich kürzlich durchgegangen bin.
  9. Ein wichtiger Punkt. Wer davon ausgeht, dass die Universität als akademische Bildungseinrichtung spezifische Themen behandelt, die spezifische Vorkenntnisse und Kompetenzen verlangen, dürfte sich schwer damit tun, andere Vorkenntnisse und Kompetenzen als gleichwertig anzuerkennen.
  10. Dieser KMK-Beschluss von 2009 dürfte letztlich auch ausschlaggebend sein, weshalb es überhaupt zu einer Tagung über Studieren ohne Abitur kommen konnte.
  11. Die Zulassungsprüfungen und Zulassungsvoraussetzungen der Hochschulen scheinen gegenüber den schulischen Hochschulzugangsberechtigungen an Wert zu gewinnen. Man könnte auch sagen, dass das allgemeine Abitur entwertet wird.
  12. Auch hier stellt sich das Problem, das nicht völlig klar ist, was mit Studieren ohne Abitur gemeint ist. Wenn das Fachabitur nicht als Abitur angesehen wird, scheint die hohe Quote an den Fachhochschulen nicht besonders auffällig.
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