„Kultur ist kein Luxus, sie ist eine Notwendigkeit“

Entgegen dem Autor dieser Worte, Gao Xingjian, sieht die Regierung Nordrhein-Westfalens diese Notwendigkeit nicht mehr als gegeben. Die Kulturausgaben, die derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren sind, sollen bis 2015 gänzlich gestrichen werden.

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  1. Seit der Bekanntwerdung dieser Entscheidung am Ende der letzten Woche gab es zahlreiches regionales wie nationales Feedback in den Medien - mit einem durchgängig negativen Ton. Weder die für die Kultur im Land zuständigen Institutionen, der LWL, der LVR und die Stadt Köln, noch die zahlreichen kleinen Kultureinrichtungen können damit ihr aktuelles Niveau in Sachen Forschung, Kunst, Museum oder Publikation aufrecht erhalten. Steigende Eintrittspreise, weniger Kreativität und Qualität wären die Folgen, die tatsächlichen Einsparungen des Landes würden jedoch nur 0,03% betragen - kaum genug für eine Konsolidierung des erst vor kurzem wieder in die Kritik geratenen Haushalts NRWs.
  2. Dabei brüstet sich das Land selbst auf seinem Internetauftritt mit seiner reichen Kulturlandschaft, mit Welterbestätten und archäologischen Neuentdeckungen von internationalem Rang aus römischer Zeit oder jener Karls des Großen bis hin zu den Denkmälern der Industrialisierung und den Erinnerungsorten des Zweiten Weltkrieges.
  3. In der Zwischenzeit regt sich heftiger Widerstand. Der LWL, die Konservatoren oder die Denkmalpflege der Stadt Köln, aber auch zahlreiche deutschlandweite Medien und Kulturstaatsminister Neumann äußerten sich kritisch zu den Plänen Nordrhein-Westfalens, die einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik sind und zum häufig bemängelten Stand der Bildung gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland nichts Gutes beizutragen vermögen. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte gestartete Onlien-Petition sammelte innerhalb von zwei Wochen weit über 10.000 Unterschriften, zahlreiche davon auch aus dem privaten Bereich.
  4. Den Wert der Aufarbeitung der Geschichte, der Ausgrabung und Erhaltung materieller Hinterlassenschaften oder der freien Kunst für den Bildungsstand und die Identität eines Landes erkannte bereits Rosa Luxemberg: "Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat."
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