MeinekleineFarm.org – Projektbericht

Fleisch ein Gesicht geben: Wie eine kleine Idee groß rausgekommen ist.

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  1. Vorbemerkung zum Format: Storify ist ein Tool, mit dem sich "Social Stories" erzählen lassen, indem man Text mit Fotos, Videos und sozialen Inhalten (Facebook, Twitter, etc.) aus dem Internet verbindet. So ist dieser Projektbericht auch ein Experiment. Er ist chronologisch aufgebaut, und das Inhaltsverzeichnis muss ohne Seitenzahlen auskommen. Weil MeinekleineFarm.org zu einem wesentlichen Teil im Internet stattfindet, lässt sich Storify nutzen, um entsprechende Inhalte authentisch und übersichtlich darzustellen.

    Inhalt

    1. Der Weg zur Idee und gesellschaftliches Anliegen
    2. Umsetzung und Integration der Studieninhalte
    3. Reaktionen
    4. Fazit
  2. 1. Der Weg zur Idee und gesellschaftliches Anliegen Stephan Breidenbach überzeugte mich im Oktober 2010, den Master-Studiengang Public Policy anzufangen, doch hatte ich zunächst kein eigenes Projekt. Er bot mir an, als Projektmanager sein Konzept der Social Stock Exchange (Börse für soziale Investoren) oder seine Busines-in-the-Box-Idee voranzutreiben. Mein Studium an der HVSG begann also mit Optionen auf zwei "Fremdprojekte".
  3. Während der ersten Präsenzen, in denen wir ausführlich unsere Projekte vorstellen und als politisch rechtfertigen mussten, fühlte ich eine entsprechende Distanz zur Social Stock Exchange, für die ich mich entschied. Ich hatte das Projekt noch nicht 100-prozentig durchdrungen, es war nicht "meins". Es blieb abstrakt, und ich fragte mich, was es außer Recherchearbeit, Konzepten und Workshops zu tun gab, also was am Ende des Studiums der konkrete Output sein würde.
  4. Doch dann hatte ich eine Idee: Ich sprach mit meiner Freundin über den großen Erfolg des facebook-Spiels Farmville und ob es nicht möglich wäre, die Simulation in die Wirklichkeit zu holen, also echte Bauern einzusetzen, die jene Nahrungsmittel, die der Spieler digital anbaut, in Echt auf ihren Äckern gedeihen zu lassen – damit Menschen wieder näher an den Ursprung ihrer Nahrung rücken.
  5. "Farmville in echt" ist jedoch für einen HVSG-Studenten ein viel zu großes Vorhaben, weshalb der Vorschlag meiner Freundin nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: "Reduziere das ganze doch auf Fleisch." Denn Fleisch ist ein politisches Nahrungsmittel, dessen Konsum zwei Probleme verursacht: Ressourcenüberlastung und ethisch problematische Massentierhaltung. Die Ausgangsfrage lautete also: Wie kann man Menschen dazu bringen, Fleisch wertzuschätzen und ihren Konsum entsprechend zu reduzieren? Indem man ihnen zeigt, wo Fleisch herkommt und warum es Wertschätzung verdient hat. Diese Antwort führt in letzter Konsequenz dazu, dass man erkennt, dass Fleisch von einem Tier stammt. So entstand die Idee, Fleisch zu verkaufen, auf dem das Foto jenes Tieres prangt, von dem dieses Fleisch stammt.
  6. Das Bauchgefühl sagte eindeutig: Durch solch eine durchaus provokante Konsequenz ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Idee in der Öffentlichkeit Verbreitung findet. Kurz darauf erzählte ich Stephan Breidenbach davon, und er sagte: "Super. Aber wenn Du dann bei Günther Jauch zu Gast bist, musst Du auch die HVSG erwähnen." Ich lachte, ohne zu erkennen, dass er in die richtige Richtung vorausgeahnt hatte.
  7. Am Anfang stand also das Goal Setting, wie es im Jargon des Projektmanagements heißt. Das Ziel von MeinekleineFarm.org ist, Menschen zu reduziertem und wertschätzendem Fleischkonsum zu bewegen, um die oben und im Einseiter genannten Probleme anzugehen.
  8. Getrieben und motiviert von der Einfachheit der Idee, begann ich MeinekleineFarm.org auszuformulieren und wissenschaftlich-MPP-gerecht aufzubereiten. Zur ersten Abgabe eines Projektzwischenberichtes hatte ich den Einseiter, die Projektcharter, -reflexion und Präsentation fertig.
  9. Im Einseiter wird nach der im Studium gelehrten Methode zunächst das politische Anliegen formuliert, dann werden Ideen gesammelt, mit denen man das Problem angehen könnte und schließlich argumentiert, warum sich die eingene Projektidee am besten eignet. Rückblickend auf den Einseiter wird eine der wichtigsten Lessons learnt deutlich: Dass HVSG-Projekte soweit herunter gekocht werden müssen, bis ihre Realisierung mit den wenigen zur Verfügung stehenden Ressourcen möglich ist. Damals konnte ich noch nicht abschätzen, wieviel Aufwand und Zeit es kosten würde, Menschen an der Entwicklung ihres eigenen Schweins teilhaben zu lassen. Ich dachte: "Etwa sieben Monate lebt ein Schwein. Ein halbes Jahr der Studienzeit ist bereits vergangen. Die Idee müsste also innerhalb der verbleibenden eineinhalb Jahre realisierbar sein." Ich skizzierte das Projekt in Form des "Schweinediploms", bei dem Menschen über eine Webseite und per Live-Webcams ihr Schwein interaktiv begleiten und an ihm lernen können. In der Projektcharter wird die Diskrepanz zwischen Planung und Realisierung ebenfalls deutlich: Mit dem Schweinediplom als Ziel plante ich dort ein Edutainment-Konzept sowie die technische Umsetzung durch Webcam und Webseite. Ich habe bis heute nicht geschafft, weder das eine noch das andere umzusetzen. Die noch weiter reduzierte Version des Projektes ist aber recht erfolgreich. (Was die These bestätigt: Ideen müssen klar und verständlich sein, da zu komplexe Sachverhalte in der Öffentlichkeit kaum Anklang finden, bzw. zu "anstrengend" sind für die kurze Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen).
  10. 2. Umsetzung und Integration der Studieninhalte

    Folgende Lesson learnt, die rückblickend auf den April 2011 deutlich wird und etwas trivial klingen mag, aber nicht zu unterschätzen ist: Man braucht Glück. In meinem Fall ist dieses Glück vor allem durch den Bauern Bernd Schulz repräsentiert.

  11. Zwar bin ich gemäß Stakeholder-Analyse auf den Förderverband für Ökologischen Landbau gestoßen (s. auf Stakeholder-Map links unter Verbände).