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16. März: Halabja Memorial Day

In Gedenken an den verheerenden Giftgasanschlag auf Halabja, verübt vom irakischen Baath Regime, am 16. März 1988.

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  1. Das irakische Baath-Regime führte eine Serie von Giftgasangriffen gegen die kurdische Bevölkerung durch. Über 5.000 Zivilisten wurden dabei auf der Stelle getötet, weitere 7.000 wurden verletzt. Die Überlebenden und Hinterbliebenen leiden bis heute unter den Folgen der Attacke.
  2. Der Iran-Irak Krieg (1980-1988) und das daraus resultierende Sicherheitsvakuum sowie Unterstützung von iranischer Seite ließen die kurdische Bewegung weiter anwachsen. Das Baath Regime unter Saddam Hussein reagierte daraufhin mit unvorstellbaren Gräueltaten – ein systematischer Feldzug gegen die Kurden im Irak folgte.
    In mehreren Wellen organisierte das Regime Deportationen, willkürliche Verhaftungen, Massenhinrichtungen sowie die Zerstörung ganzer Dörfer und ordnete die Verwendung chemischer Waffen an, um gegen den kurdischen Widerstand, inklusive der Peshmerga (kurdische Freiheitskämpfer) vorzugehen. Der Genozid an der kurdischen Bevölkerung Iraks erreichte mit dem Giftgansangriff auf Halabja und der darauf folgenden Anfal Kampagne, die Vertreibung, Zerstörung und die Auslöschung eines ganzen Volkes zum Ziel hatte, seinen Höhepunkt. Zwischen den ersten systematischen Morden in den frühen 1980er Jahren und dem Ende der Anfal Kampagne wurden hunderttausende Kurden vom Regime getötet. Viele mehr wurden von aus ihren Häusern und ihrer Heimat vertrieben.
  3. Viele Opfer und ihre Kinder leiden bis heute an Krankheiten wie Leukämie und anderen Krebsformen, Geburtsdefekten, Nervenlähmungen oder Atemwegserkrankungen, Hautdefekten und psychischen Traumata. Für die überwiegende Mehrheit der Opfer war eine adäquate medizinische Behandlung innerhalb des Iraks nicht möglich.Kayvan war einer der wenigen Überlebenden, der im Ausland behandelt wurde. Professor Dr. Gerhad Freilinger, Spezialist der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie, behandelte vier Opfer des Giftgasangriffs aus Halabja in Wien, darunter auch Kayvan. Dies ist die Geschichte von Dr. Freilinger und Kayvan.
  4. Halabja: Interview with Dr. Freilinger
  5. Der Halabja Giftgasangriff bleibt der weltweit größte Chemiewaffenangriff gegen eine Zivilbevölkerung. Bei einer Gerichtsentscheidung durch das Bezirksgericht Den Haag im Jahr 2005 gegen den niederländischen Händler Frans van Anraat stellte das Gericht fest, dass es als „rechtlich und schlüssig bewiesen gilt, dass die kurdische Bevölkerung die Voraussetzungen in der Völkermordkonvention als ethnische Gruppe erfüllt. Das Gericht kann zu keiner anderen Schlussfolgerung kommen, als dass diese Angriffe mit der Absicht verübt wurden, die kurdische Bevölkerung des Iraks zu vernichten.
  6. In ihren eigenen Worten beschreiben Überlebende ihre Erfahrungen und Erinnerungen an dieses schreckliche Ereignis, das ihr Leben wohl für immer geprägt und verändert hat.
  7. Der kurdische Kampf um Selbstbestimmung reicht bis ins osmanische Reich und die Zeit des Widerstands gegen britische Herrschaft zurück. Über Jahrzehnte hinweg kämpften Kurden im Irak für ihre grundlegenden Menschenrechte und die lange versprochene Autonomie. Mit der Machtergreifung des Baath Regimes 1968 und dem Scheitern des März Abkommens im Jahr 1970, das den Kurden weitreichende Autonomie eingeräumt hätte, erreichte der kurdische Befreiungskampf einen neuen Höhepunkt.
  8. 28 Jahre später ist die kurdische Bevölkerung noch immer nicht sicher. Völkermord bleibt eine ernste Bedrohung. Im Jahr 2014 wurden die Jesiden, eine kurdisch ethno-religiöse Gruppe, von der Terrormiliz IS ins Visier genommen. 5.000 Jesiden wurden umgebracht, weitere 6.000 Frauen und Kinder wurden entführt und versklavt, zudem wurden zahlreiche jesidische Heiligtümer zerstört. Viele der Frauen und Kindern sind noch immer in Gefangenschaft. Es werden fast täglich Massengräber entdeckt. Die Gräueltaten gehen weiter.
  9. Während der Anfal Kampagne und dem Angriff auf Halabja wurden die Verbrechen an Kurden von der internationalen Gemeinschaft nicht sofort anerkannt. Ein Grund dafür war, dass die Anschläge von dem Regime in Bagdad als Gegenangriffe auf kurdische Peshmerga präsentiert wurden. Später fand man zahlreiche Beweise dafür, dass es einen breit angesetzten Plan zur kompletten Vernichtung der kurdischen Bevölkerung des Irak gab. Darüber hinaus befand die USA, welche während des Iran-Irak Kriegs mit dem irakischen Regime alliiert waren, den Iran als teilweise schuldig an dem Giftgasangriff auf Halabja. Bis heute konnten jedoch noch keine Beweise für diese Anschuldigungen gegen den Iran gefunden werden. Basierend auf den Behauptungen der USA, hielten die Vereinten Nationen sowie eine Reihe von westlichen Ländern den Iran und Iraq für lange Zeit als gleichermaßen verantwortlich für den Angriff. Internationale Anerkennung für Anfal und Halabja als Genozid blieb daher für lange Jahre aus.
  10. Es ist an der Zeit zu sagen: „Genug ist genug, End Genocide Now.“ In Gedenken an die Opfer von Halabja bitten wir die internationale Gemeinschaft, diese Informationsbilder am 16. März 2016 zu teilen, um das Bewusstsein über die Opfer und Hinterbliebenen zu erhöhen.
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