Autoren-Gespräch mit Sybille Baecker über ihre Tübinger Krimireihe um Kommissar Brander

Passend zum Welttag des Buches, am 23. April 2014, beantwortete uns die Autorin der Tübinger Krimireihe mit Kommissar Brander und Mitbegründerin der Veranstaltungsreihe "Whisky & Crime" in der Silberburg am Markt in Tübingen einige Fragen rund um ihre Krimis.

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  1. OSI: Frau Baecker, herzlichen Dank dafür, dass Sie sich heute die Zeit nehmen, uns einige Fragen rund um Ihre Krimis mit dem Tübinger Kommissar Andreas Brander zu beantworten.
    SB: Vielen Dank, ich freue mich auch, dass wir heute über Kommissar Brander sprechen. Stilechter wäre natürlich ein Whisky statt eines Cappuccinos zum Gespräch ... (lacht).
  2. Autoreninterview Sybille Baecker in Tübingen, 23.04.14
    Autoreninterview Sybille Baecker in Tübingen, 23.04.14
  3. OSI: Sie stammen eigentlich aus dem südlichen Niedersachsen. Welcher Bezug zu Tübingen war für Sie ausschlaggebend, um die Krimis in der Universitätsstadt und Umgebung spielen zu lassen?
    SB: Der Grund ist ganz pragmatisch gewählt: ich lebe seit 15 Jahren im Raum Tübingen und möchte meine Krimis dort spielen lassen, wo mein Lebensmittelpunkt ist. Nach dieser Zeit kenne ich die Stadt und die Region, die Bewohner und ihre Mentalität recht gut. Zudem vereinfacht es die Recherchearbeit ungemein, wenn man nicht auf wenige ausgedehnte Reisen oder das Internet angewiesen ist, sondern man sich die Informationen vor Ort "erarbeiten" kann. Und übrigens: Tübingen ist ein gar nicht so ungefährliches Pflaster - na gut, also gemessen an der Zahl der Delikte im Vergleich zu Neustetten zum Beispiel …

  4. OSI: Was macht denn den Protagonisten der Reihe und sein Team aus?
    SB: Mir ist es wichtig, nicht nur einen Kriminalfall darzustellen - sondern auch Kommissar Brander als Menschen in all seinen Facetten. Er führt eine funktionierende Ehe - was im Krimi-Genre ja weiß Gott nicht selbstverständlich ist. Aber auch er erlebt in seinem privaten und beruflichen Alltag Höhen und Tiefen, zum Beispiel im neuesten Fall die Probleme mit seiner pubertierenden Pflegetochter Nathalie und die Turbulenzen um die Auflösung der Tübinger Polizeidirektion, aber er verfällt nicht in Depressionen, sondern packt die Probleme an. Seine Kollegin Peppi stellt mit ihrem griechischen Temperament einen guten Gegenpol dar und sorgt für allerhand Schwung im Büro. Sie sind ein gutes Team. Um es zusammenzufassen: Das Einbinden der Kriminalfälle in einen alltägliche Rahmenhandlung macht meine Krimis aus. Dadurch wirken die Figuren lebensnah und der Leser fühlt sich angesprochen, mitgenommen. Das schönste Kompliment einer Leserin war, dass sie meinte, Kommissar Brander würde beim Lesen fast real und dass sie beinahe erwarten würde, dass sie ihm beim nächsten Einkauf beim Bäcker um die Ecke begegnen würde...

  5. OSI: Wie kommt Kommissar Brander zu seiner Leidenschaft für Whisky?
    SB: Whisky ist für Brander ein Hobby. Er unheimlich vielschichtig, unterschiedlichste Aromen, unterschiedliche Farben, mild, herb, teilweise sogar eine gewisse Schärfe. Whisky kann weich und kann kantig sein. Je nachdem, in welcher Stimmung Brander gerade ist, kann er einen passenden Whisky dazu genießen. Ich glaube, deshalb ist Whisky auch ein sehr emotionales Getränk. Beim Schreiben achte ich darauf, dass das Thema Whisky ein begleitendes, wiederkehrendes Element ist, aber nicht dominant wird. In jedem Band der Krimireihe wird das Thema von einer anderen Seite her beleuchtet: in "Mordsbrand" eher die Herstellung, in einem anderen Fall beispielsweise die richtige Verkostung.

  6. Leckeres Dreigestirn aus Owen/Teck- und auch in "Mordsbrand" vertreten:
  7. OSI: Wer ist die Zielgruppe Ihrer Krimis? Whisky-Fans? Tübingen-Fans? Lokalpatrioten?
    SB: Alle diese, und auch noch andere. Aber natürlich werden die Krimis vor allem von Menschen gelesen, die einen bestimmten Bezug zu Tübingen und/oder Whisky haben. Oder etwas über Land und Leute erfahren möchten.

    OSI: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
    SB: Ich treffe Leute, trinke Whisky und Kaffee...! (lacht). Nein, im Ernst: ich bin Teilzeitautorin, daher ist die Zeit, die ich für das Recherchieren und Schreiben zur Verfügung habe, begrenzt. Meine Arbeit an einem neuen Kriminalroman teilt sich eigentlich in drei große Blöcke auf. Während der Recherche verbringe ich viel Zeit an den Orten, die im Buch erwähnt werden und die für die Handlung eine Rolle spielen. Darüber hinaus besuche ich z. B. die Polizei, die Rechtsmedizin oder auch die Feuerwehr, um mich über meine Ideen mit den Fachleuten auszutauschen und ggf. Korrekturen und Ergänzungen zu erhalten. Während der Schreibphase bin ich ein recht unsoziales Wesen, da möchte ich eigentlich nur die Geschichte entwickeln und niederschreiben - was auch von der Familie einiges abverlangt. Die Korrekturphase und die abschließenden Arbeiten, wie zum Beispiel das Schreiben des Klappentextes, nehmen den dritten großen Block ein.
  8. OSI: Und welche Phase macht am meisten Spaß?
    SB: Jede, das Schreiben ist für mich Erfüllung. Allerdings: die Zeit zwischen der Abgabe der letzten Korrekturen und dem Erscheinen des Buches macht mich schon sehr nervös: habe ich alles richtig gemacht? Kommt das Buch bei den Leserinnen und Lesern an? Hätte ich diesen oder jenen Handlungsstrang doch noch anders ausbauen sollen ...?

    OSI: Wie reagieren denn die Polizeibeamten, Rechtsmediziner und Feuerwehrleute in Tübingen auf Ihre Anfragen?
    SB: Bei allen finde ich großes Interesse an meiner Arbeit. Sie finden den anderen Blickwinkel auf ihre Arbeit sehr spannend und stehen mir mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich kann ich nur eingeschränkte Einblicke in die polizeiliche und rechtsmedizinische Arbeit bekommen und wiedergeben. Für den ersten Brander-Krimi habe ich einfach bei der Pforte der Polizeidirektion in Tübingen angefragt. Mir wurde dann der Kontakt zu einem Beamten vermittelt, der mich ein wenig bei meiner Arbeit berät und der mich bei Fachfragen evtl. auch an entsprechende Fachleute weitervermittelt, zum Beispiel bei der Frage, welche Rückschlüsse man aus Spuren und der Lage von Objekten am Tatort ziehen kann. Gerade für den neuen Krimi, "Mordsbrand", in dem ja auch - ganz aktuell - die Polizeireform und die Auflösung der Polizeidirektion Tübingen am Rande eine Rolle spielen, konnte ich von den Informationen aus erster Hand profitieren. Das ist schon etwas anderes, als wenn man die Fakten nur aus der Tageszeitung kennt. Bei der Rechtsmedizin ist es ähnlich. In "Neckartreiben" erliegt das Opfer ja einer Schussverletzung. Ohne das Wissen der Fachleute wäre ich da bei den Details manchmal aufgeschmissen. Es ist für meine Arbeit sehr wichtig, diese Details der kriminalistischen und rechtsmedizinischen Untersuchung zu kennen. Diese machen einen Krimi authentisch und nachvollziehbar.
    Bei meinem Recherchebesuch zu "Mordsbrand" bei der Tübinger Feuerwehr durfte ich sogar im Korb des Drehleiterfahrzeuges in die Lüfte schweben und mir Tübingen aus einigen Metern Höhe betrachten. Sehr gewöhnungsbedürftig - besonders wenn man unter etwas Höhenangst leidet. Sie sehen: meine Recherche-Arbeit ist ungeheuer spannend und schweißtreibend ...(lacht).

  9. Der Ort des Autoren-Gesprächs: die Silberburg am Markt in Tübingen
  10. OSI: Whisky ist ein zentrales Element bei Ihren Krimis um Kommissar Brander. Sie beschreiben die Whisky-Sorten, die jeweilige Farbe, das Aroma und den Geschmack sehr detailliert und fachkundig. Wie viel der Whisky-Leidenschaft Branders steckt denn auch in Sybille Baecker?
    SB: Die Leidenschaft für Whisky eint uns, aber bei den jeweiligen Sorten haben wir sehr unterschiedliche Vorlieben. Ich lasse Kommissar Brander Whiskysorten trinken, die zu der jeweiligen Situation und Stimmung passen. Da sind auch sehr rauchige, torfige Whiskysorten dabei. Ich dagegen mag eher die milderen Sorten, die Speyside-Whiskys. Ein Whisky, der mir sehr gut gefällt ist der Glenfiddich Solera Reserve, 15 Jahre alt.
    Was uns natürlich auch eint: die Liebe zum Genuss. Whisky-Trinker sind Genießer. Das steht z.B. auch im aktuellen Band im krassen Gegensatz zu Branders Pflegetochter Nathalie, die einen anderen Umgang mit Alkohol hat.
  11. OSI: Im aktuellen Fall ermitteln Kommissar Brander und sein Team im Umfeld schwäbischer Whisky-Brennereien. Hat Brander denn auch einen schwäbischen Lieblings-Whisky?
    SB: Brander noch nicht, aber ich. Ich finde den 10 Jahre alten „Tecker“ aus Owen sehr gelungen. Das Thema Schwäbischer Whisky hat sich im Laufe der letzten Jahre sehr stark entwickelt. Ein "Mekka" der schwäbischen Whisky-Herstellung ist Owen/Teck, es ist mit seinen drei Whiskybrennereien quasi das „Schwäbische Dufftown“. Diese spielen ja auch in "Mordsbrand" eine Rolle. Schwäbischer Whisky ist mittlerweile ein echtes und überregional geschätztes Markenprodukt. Wussten Sie, dass es ein schwäbischer Whisky sogar bis zum Titel "Bester deutscher Whisky" gebracht hat?
    Über die sozialen Netzwerke im Internet wurde ich auf die Schwäbische Whisky Botschafterin, Angela V. Weis, aufmerksam. Wir haben uns gleich gut verstanden und veranstalten nun schon seit einigen Jahren zusammen die Veranstaltung "Mords Brannt": ich lese aus dem jeweils aktuellen Brander-Krimi und dazu werden drei ausgewählte schwäbische Whiskys verkostet. Ein tolles Event, das den Gästen und uns gleichermaßen Spaß macht und mit dem wir auch schon in mehreren OSIANDER-Buchhandlungen zu Gast waren.

  12. OSI: In "Mordsbrand", dem 5. Fall für Kommissar Brander, wird ein Toter in einer ausgebrannten Scheune im Ammertal entdeckt. Haben Sie denn schon eine Idee für den sechsten Band?
    SB: Ideen gibt es schon - aber die werden natürlich nicht verraten. Aber was ich sagen kann: Kommissar Brander wird sich treu bleiben und die Fälle werden sich am alltäglichen Leben orientieren. Die meisten Anregungen bekomme ich beim Lesen der Zeitung, manchmal kommen auch Brander-Fans mit guten Ideen auf mich zu. Der Spätzlepressen-Mord, der ja im letzten Jahr in der Nähe von Stuttgart verübt wurde...das wäre auch ein richtig schöner schwäbischer Fall für Brander gewesen...(lacht).
  13. OSI: Frau Baecker, ganz herzlichen Dank für das nette und informative Gespräch!

  14. Für Brander-und Whisky-Fans: Hier finden Sie eine Auflistung der Whisky-Sorten, die Brander im Laufe seiner Ermittlungen verkostet hat (mit Angabe von Band und Seitenzahl, auf der der jeweilige Whisky Erwähnung findet):


  15. Wer jetzt neugierig auf Kommissar Branders Fälle geworden ist: die Bücher gibts bei uns:
  16. Mordsbrand, Branders 5. Fall:

  17. Neckartreiben, Branders 4. Fall:
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