Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

ICD 10 F 60-5 Anankastische Persönlichkeitsstörung Überdauernde Persönlichkeitseigenschaften im Sinne einer Persönlichkeitsstörung mit Leidensdruck mit übermässigem Perfektionismus, ständigem Kontrollbedürfnis, ängstliche Vorsicht bzw. Unsicherheit und rigides Verhalten

  1. Definition nach ICD der anankastischen Persönlichkeitsstörung (auch anakastische Persönlichkeitsstörung) :
    F60.5
    Anankastische [zwanghafte] Persönlichkeitsstörung


    Eine Persönlichkeitsstörung, die durch Gefühle von Zweifel,
    Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen
    Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet
    ist. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse
    auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.

    Typisch für einen Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeit ist ein extrem hohes Kontrollbedürfnis. Alle Aktivitäten müssen geplant, Zufälle 100%ig ausgeschlossen werden. 

    [Mindestens drei der folgenden Merkmale müssen erfüllt sein:] 
    1. Übermäßiger Zweifel und Vorsicht. 
    2. Ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Listen, Ordnung, Organisation oder Plänen. 
    3. Perfektionismus, der die Fertigstellung von Aufgaben behindert. 
    4. Übermäßige Gewissenhaftigkeit, Skrupelhaftigkeit und unverhältnismäßige 
    Leistungsbezogenheit unter Vernachlässigung von Vergnügen und 
    zwischenmenschlichen Beziehungen. 
    5. Übermäßige Pedanterie und Befolgung von Konventionen. 
    6. Rigidität und Eigensinn. 
    7. Unbegründetes Bestehen auf der Unterordnung anderer unter eigene Gewohnheiten 
    oder unbegründetes Zögern, Aufgaben zu delegieren. 
    8. Andrängen beharrlicher und unerwünschter Gedanken oder Impulse. 
    Dazugehörige Begriffe: 
    - zwanghafte Persönlichkeit(sstörung) 
    - Zwangspersönlichkeit(sstörung) 


    Eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist also nicht identisch mit einer Zwangsstörung. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass bei der Zwangsstörung eben sog. Zwangshandlungen (z.B. Kontrolltätigkeiten, Waschzwang) auftreten bzw. ein inneres Gefühl von massiver Anspannung und Angst auftreten würde, wenn man die Zwänge nicht ausführt. Viele Patienten mit einer Zwangsstörung wissen zudem, dass ihre Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unsinnig und letztlich falsch sind. Im Gegensatz dazu erleben Patienten mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung ihre Vorsicht bzw. ständige Kontrolle als völlig berechtigt und leiden zunächst nicht darunter. Vielmehr ist es für Angehörige oder Arbeitskollegen mit Leidensdruck verbunden, wenn man mit einem Mitmenschen mit derart zwanghaften Persönlickeitseigenschaften zusammenleben soll. 

    Zusammenleben mit einem Partner mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung 
    Typisch ist, dass man quasi nie den Anforderungen dieses Menschen genügen kann bzw. sein inneres System von Ordnung durcheinander bringt. Dies führt dann zu Konflikten bzw. Spannungen im Zusammenleben.

    Eine Persönlichkeitsstörung muss man immer auch als eine Art "Überlebensstrategie" bzw. Entwicklung einer Schutzfunktion verstehen. Das bedeutet, dass sich die zugrundeliegenden Überzeugungen bzw. "Schemata" bereits in der frühen Kindheit begründen. Es ist an und für sich ja nicht krankhaft, gewissenhaft bzw. sorgfältig und kontrollierend zu sein. Krankheitswertigkeit ist nur, dass die Betroffenen sich eben in ALLEN Situationen so verhalten bzw eben nicht situationsangemessen ihr Verhaltensmuster verändern können. 

    Differentialdiagnosen der zwanghaften Persönlichkeitsstörung 
    Hier muss man dann in der Diagnostik schauen, ob ggf. noch weitere (oder andere) Persönlichkeitsmerkmale / Persönlichkeitsstörungen vorliegen. Verwechselungen sind beispielseise möglich mit der 
    - paranoiden Persönlichkeitsstörung
    - schizoiden Persönlichkeitsstörung
    - selbstunsicher / vermeidenden Persönlichkeitsstörung 
    - ggf. noch mit einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung

    Darüber hinaus können neurosychiatrische Krankheitsbilder bei unerfahrenenen Diagnostikern möglicherweise mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung verwechselt werden. 
    Beispielsweise könnte bei einem Patienten mit einem Asperger-Autismus (bzw. anderen sog. Autismus-Spektrum-Störungen) auch ein rigides Verhaltensmuster mit ganz ähnlichen Symptomen wie bei einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung auftreten. Der wesentliche Unterschied ist, dass sich hier Symptome seit der frühesten Kindheit zeigen bzw eben weitere typische autistische Merkmale bestehen. 

    Auch bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit / Hyperaktivitätssyndrom) können sich quasi als Kompensation zwanghafte Persönlichkeitsmerkmale finden.  Ein wesentlicher Unterschied ist, dass die Betroffenen eben auch schon lebenslang unter ADHS-Symptomen bzw. eben auch Problemen mit Ordnung und Selbststrukturierung leiden. 

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