Die Causa Machill
An der Universität Leipzig ist es im Moment DAS Small-Talk-Thema Nummer 1: Journalistik-Professor Dr. Marcel Machill hat über seinen Verlag den Studenten Roger Vogel abmahnen lassen. Mittlerweile hat sich die Diskussion verlagert - weg von der Frage, ob man das Problem einfacher aus der Welt hätte schaffen können - und hin zur Kritik am "System Machill".
- In der Novemberausgabe der Leipziger Uni-Zeitung "Student" erscheint unter der Überschrift "Illegaler Upload" ein Artikel, der sich erstmals mit dem Konflikt zwischen Roger Vogel und Marcel Machill auseinandersetzt. Vogel hatte ein (zwischenzeitlich vergriffenes) Lehrbuch für seine Kommilitonen eingescannt und im Internet veröffentlicht und war daraufhin vom UVK-Verlag, der einen Hinweis von Machill erhalten hatte, abgemahnt worden.Zitat:"Eigentlich wollte ich nur Freunden helfen. Das Buch war vergriffen und sie brauchten es für ihre Hausaufgaben“, beteuert [Vogel], dass er sich nicht habe bereichern wollen.
Marcel Machill – Wikipedia
Oktober 2010 markiert wurde. Es gibt 5 ausstehende Änderungen, die noch gesichtet werden müssen. Wechseln zu: Navigation, Suche. Marcel Machill (* 1968) ist ...- Am 20. November veröffentlicht das Leipziger Internet-Portal nochweiter.de einen Kommentar zum Thema. Die Protagonisten des Falls werden aber nicht beim Namen genannt.
nochweiter. Online-Magazin für LeipzigEtwa zwei Wochen lang war das Buch eines Leipziger Professors für jeden zu sehen, der im Internet danach suchte. Ein Student seines Instituts hatte es online gestellt. Dann aber wurde der Professor darauf aufmerksam und wies den Verlag auf die Urheberrechts- verletzung hin. Der Student bekam Post von einem Rechtsanwalt, der im Namen des Verlags verlangte, dass er das Buch sofort aus dem Netz nehme. Dieser Forderung kam der Student nach, jetzt aber soll er die Anwaltskosten bezahlen. Dabei habe er doch nur seinen Kommilitonen helfen wollen, sagt der Student. Das Buch sei Pflichtlektüre in der Vorlesung, aber ausverkauft. Rechtlich...- Danach passiert erst einmal nichts weiter. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Denn am 29. November veröffentlicht der ehemalige Student Machills, Christoph Giesen, unter der Überschrift "Ein Mann, ein Buch" einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem Machill schwere Vorwürfe gemacht werden.
Universität Leipzig - Ein Mann, ein Buch - Job & Karriere - sueddeutsche.deEin Student scannt das vergriffene Werk eines Leipziger Professors zur Prüfungsvorbereitung ein - nun droht ihm Ärger.- Es dauert nicht lange und das Leipziger Uni-Radio "Mephisto 97,6" wird auf den Fall aufmerksam. Es führt ein ausführliches Interview mit Roger Vogel - und prägt den Begriff der "Causa Machill".
Die "Causa Professor Machill"Leipziger Student droht Klage Wegen Urheberrechtsverletzungen droht dem Studenten Roger Vogel eine Klage vom Verlag seines Professors. (Foto: D. Kopp) Beitrag empfehlen / kommentieren Wer ohne Erlaubnis die Werke anderer verbreitet, der macht sich bekanntlich strafbar. Diese Erfahrung hat auch Roger Vogel machen müssen. Er studiert Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig. Mit seinem Vergehen wollte sich der Student nach eigener Aussage aber nicht selbst bereichern, sondern seinen Kommilitonen helfen. Der Fall: Für eine Klausur erlaubt der Journalistikprofessor Marcel Marchill die Verwendung seines Buchs „Medienfreiheit nach der Wende“. Dieses war nach einigen Wochen jedoch vergriffen, die 20 Exemplare der Unibibliothek sind längst...- Bei Twitter macht die Meldung schnell die Runde. So meldet sich unter anderem der Fachschaftsrat KMW der Leipziger Universität zu Wort:
- Am 30. November veröffentlicht das "Schmand-Blog" des Leipziger Studenten Andreas Hönig einen ersten ausführlichen Artikel zum Thema.
Neues aus der Anstalt #19 « Das Schmand-Blog
Manche Dinge sind so unangebracht, dass sie zum Bumerang werden können. Professor Dr. Marcel Machill, Inhaber des Lehrstuhls Journalistik II an der Uni Leipzig, könnte es diesmal endgültig übertrieben haben. Er hat einen Studenten verklagt. Professor Machill hält eine der Vorlesungen im Modul „Einführung in die Journalistik“, über das ich selbst vor einem Jahr zahlreiche Klagelieder gesungen habe. Das einzige erlaubte Hilfsmittel in der Klausur ist ein 39 Euro teures Buch, zu dessen Verfassern er gehört. Diese Studie ist gleichzeitig zentraler Prüfungsinhalt. Nun kommen einige ungünstige Faktoren zusammen. Der Harvard-Absolvent Machill weigert sich wie gewöhnlich, den Studenten den direkten, verbilligten...- Jetzt steigen immer mehr Weblogs auf die "Causa Machill" ein. Unter anderem berichten mrtnh.de, das Lipsia-Blog und "DoppelV". Am 1. Dezember folgt ein Beitrag des überregional bekannten Blogs netzpolitik.org.
Urheberrecht: Professor droht Student mit Klage : netzpolitik.org
von Linus Neumann um 13:27 am Mittwoch, 1. Dezember 2010 | 50 Kommentare Ein übliches Problem an Universitäten betrifft die klausurrelevante Literatur. Vom Professor als unerlässlich für das Bestehen der Klausur gepriesen, müssen die Studierenden sie sich auf Gedeih und Verderb besorgen. Manchmal (hab ich gehört) wird das Problem elegant durch Scans der Literatur, die im zugangsbeschränkten Online-Bereich der Universität den Studierenden bereitgestellt werden, gelöst. Anders sieht die Sache meist aus, wenn der Professor das Buch selbst geschrieben hat. Dann wird die ISBN-Nummer brav ins Heft diktiert, und danach schon an der nächsten Auflage gearbeitet, die natürlich “radikale Neuerungen” hat,...- Am Abend des 2. Dezember meldet sich erstmals Professor Machill selbst zu Wort. Auf der Website des "Lehrstuhls für Journalistik II", dessen Vorsitzender er ist, gibt Marcel Machill eine Stellungnahme ab. Darin bestreitet er die Anschuldigungen und macht seinerseits Roger Vogel und dem SZ-Journalisten Christoph Giesen schwere Vorwürfe.
Lehrstuhl für Journalistik II: Stellungnahme
Angesichts der weiteren Medienberichterstattung am 6. Dezember 2010 wird nachfolgend eine neue Stellungnahme von Professor Machill veröffentlicht. Die Medienspirale dreht sich weiter. Nachdem die Spekulation aus der Süddeutschen Zeitung, ich würde an dem Verkauf des Buches "Medienfreiheit nach der Wende" auch nur einen Cent verdienen, inzwischen vom Tisch ist, spekulieren manche Journalisten nun darüber, warum überhaupt selbst verfasste Literatur als Prüfungsstoff ausgegeben wird. Vielleicht hilft hier ein kleiner Einblick in die Natur von Forschung&Lehre sowie vom Charakter einer Universitäts-Klausur. Ich bin der Überzeugung, dass sich eine Klausur an einer Universität aus Fragen zu Faktenwissen (also Daten, Zahlen, Fakten und Kategorisierungen,...- Bei Facebook gründet Roger Vogel derweil eine Gruppe mit dem Namen "Causa Machill", auf der Studenten über das Thema diskutieren und das weitere Vorgehen besprechen.
- In "Uncover", dem Online-Magazin der Leipziger Journalistik erscheint eine mehr als nur mittelprächtige Glosse, in der ein "Franz Josef Vagner" über Robert Vogel herzieht.
UNCOVER: Post von Vågner
Lieber Roger Vogel (alias OG3r), Sie kämpfen als David gegen Goliath. Sie sind der Robin Hood der hilflosen Studierenden. Sie sind das A-Team des Facebook-Zeitalters. Kurz: Sie sind die Alice Schwarzer der deutschen Studierendenbewegung. Ein echter Titan, wie Oliver Kahn oder Michael Schumacher (in seinen besten Zeiten). Es ist eine Heldentat: Sie haben verhindert, dass ein Professor Millionär wird, indem Sie sein wichtigstes Buch einfach einscannen und ins Internet stellen. Und Ihren Kommilitonen haben Sie dadurch gleichzeitig auch geholfen. Jetzt konnten diese endlich das Buch illegal lesen. Darauf haben Ihre Kommilitonen sicher gewartet. Denn es wäre auch zu einfach gewesen,...- Manch einer ist deswegen froh, dass das Interesse am Thema langsam abzuebben scheint:
- Doch stattdessen wird bald neues Öl ins Feuer gegossen. Auf der Website des "Lehrstuhls für Journalistik II" wird am 4. Dezember unter dem Titel "Dokumentation der von einigen Studenten initiierten Medienkampagne gegen Professor Machill" eine pdf-Datei veröffentlicht, in der Machill Roger Vogel eine "persönliche Kampagne" unterstellt.Zwei Tage später, am 6. Dezember, erscheint in der Süddeutschen Zeitung ein weiterer Artikel, in dem sich Christoph Giesen unter anderem gegen Machills Vorwurf wehrt, sein erster Artikel sei "unterstes journalistisches Niveau".
- Auch die "Leipziger Internet Zeitung" springt auf den fahrenden Zug auf und berichtet ausführlich über die Hintergründe des Falles ("David gegen Goliath"). Dabei geht es mittlerweile weniger um Vogels Urheberrechtsverletzung als um die Kritik am "System Machill" selbst.
David gegen Goliath: Leipziger Journalistik-Studenten starten Initiative gegen fragwürdige Prüfungspraxis von Prof. Dr. Marcel Machill – Leipziger Internet Zeitung :: Mehr Nachrichten. Mehr Leipzig.Eigentlich hätte diese Woche nur ein Thema die Schlagzeilen bestimmen sollen: Die feierliche Verabschiedung des scheidenden Hochschulrektors Prof. Franz Häuser. Allerdings stand entgegen dem Willen der Hochschulleitung jemand anderes im Fokus der überregionalen Berichterstattung: Prof. Dr. Marcel Machill.

