Das Nackensteak von Aldi für 1,99

Ein Beitrag auf der Facebook-Pinnwand vom Lebensmitteldiscounter Aldi Süd gewinnt viel Aufmerksamkeit. Nutzer Dominik Boisen kritisiert die Fleischpreise. Aldi unterschätzt das Shitstorm-Potenzial der Kritik enorm und reagiert unprofessionell.

  1. Am 17. Mai schreibt Facebook-Nutzer Dominik Boisen folgenden Beitrag an die Pinnwand von Aldi Süd. 1,99 Euro für 600 Gramm Schweinenacken seien nicht verantwortbar. "Billig, billiger, am billigsten - das ist eure Religion", schreibt er.
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  3. Es dauert 10 Tage, bis Aldi auf den Beitrag reagiert. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 23.000 Nutzer die Kritik geliket, kommentiert oder sogar geteilt. Die Reichweite dürfte somit bei einigen Zehntausend Nutzern gelegen haben. Zuerst hatte der Lebensmitteldiscounter den Beitrag auf seiner Seite verborgen, schließlich aber wieder sichtbar gemacht und wie folgt Stellung bezogen.
  4. Lieber Dominik, vielen Dank für deinen Post. Zunächst möchten wir dir sagen, dass wir deinen Post nicht verborgen haben, weil wir dazu keine Stellungnahme abgeben wollten, sondern weil er gegen unsere Netiquette verstoßen hat. Solche Beleidigungen können wir auf unserer Fanseite nicht dulden. Wir wissen, dass wir als einer der führenden Discounter die Aufgabe haben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen – dies gilt nicht nur in Bezug auf Menschen und unsere Umwelt, sondern auch für den Umgang mit Tieren. Mit unserem Engagement in der branchenübergreifenden, freiwilligen Initiative Tierwohl setzen wir uns für die Förderung einer tierartgerechten und nachhaltigen Fleischerzeugung ein. Die Initiative hat mit Wissenschaftlern und Tierschützern ein umfassendes Programm zur Verbesserung der Tierhaltung für Schweine und Geflügel entwickelt. Ausführliche Informationen zu unserer Tierwohl-Einkaufspolitik findest du hier:  https://unternehmen.aldi-sued.de/fileadmin/fm-dam/documents/Verantwortung/ALDI_SUED_Tierwohl-Einkaufspolitik.pdf  Viele Grüße, dein ALDI SÜD Team
  5. Diese späte Reaktion von Aldi konnte den Shitstorm freilich nicht mehr rückgängig machen. Inzwischen hat der Beitrag von Dominik Boisel über 60.000 Likes, ist fast 20.000 mal geteilt und über 4.000 Mal kommentiert worden. Er dürfte einige Nutzer veranlasst haben, über die moralischen Aspekte der Preispolitik von Aldi & Co nachzudenken.
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